Donnerstag, 17. Mai 2007

Der etwas andere Profi

In der letzten Zeit war ich doch ein wenig unzufrieden mit meinem Dasein als Fußball-Fan. Die sportliche Berg- und Talfahrt des mir heißgeliebten SV Werder war dabei von zwei Gründen jedoch der eher unbedeutendere. Vielmehr ging mir doch das Gehabe einiger Profis auf den Keks. Und darüber habe ich mich dann auch auf dem kollaborativen Sofa-Experten Blog hier und hier ausgelassen.

Ich will hier nicht wieder anfangen vom Niedergang des Fußballs zu schreiben, der als ökonomisierte Version des Sports im 21. Jahrhundert seine Akteure verdirbt und die Fans zu einem Teil der "konsumierenden Produktionsöffentlichkeit" (Habermas) degraiert.

Nein, vielmehr wollte ich kurz den Profi vorstellen, der für mich als Musterprofi gelten kann: Moritz Volz, Deutscher Defensivspieler des FC Fulham in der englischen Premiere League. In der aktuellen Druckausgabe von Die Zeit hat ein Autor den Spieler etwas genauer vorgestellt. Vor acht Jahren kam er von Schalke als 16-jähriger zu Arsenal London. Dort konnte er sich nicht durchsetzen und gelangte über Umwege schließlich zum FC Fulham, für den er bereits mehr als 120 Spiele absolvierte. Er gehört mittlerweile zum Stamm des Teams. Soviel zum Fußballerischen.

Noch beeindruckender: Er ist dort zum Publikumsliebling avanciert, und dass als Deutscher im Mutterland des Fußballs. Warum? Ganz einfach. Weil er all das "Normale" verkörpert, was man weder hier zu Lande noch auf der Insel einem professionellen Balltreter zutrauen würde. Er fährt mit dem Rad zu Stadion, welches ja auch nur 10 Minuten von der Wohnung entfernt ist, unterstützt das Hilfswerk Prince's Trust, versucht sich schulisch weiterzubilden und machte während der WM als Fan Urlaub in seinem Heimatland in den Fankurven der Stadien. Außerdem hat er eine sehr eigene Methode, sich auf die Spieltage vorzubereiten: Er backt Kuchen. Ausserdem schreibt er für die altehrwürdige Times eine Kolumne und arbeitet als Praktikant in einer Sushi-Bar.

In der Kolumne geht es um Stereotypen, die einem Deutschen in London zwangsläufig begegnen: Lederhosen, Sandalen, Bierkultur. Aber auch um die (von der Sun in einem Bericht als ernsthaft interpretierte) Liebe zu Musik und Wirken von David "The Hoff" Hasselhoff.
"For me the Hoff is almost like some higher spirit. Hoffness is everywhere. (...) The Hoff is a big inspiration — in times of trouble I often ask myself, ‘How would the Hoff deal with this situation?'"
In diesem Artikel hat er die armen Journalisten ein wenig veräppelt und spielt seitdem mit dieser Wahrheit, und auch wieder regelmäßig in der ersten Mannschaft Fulhams. Einen Besuch wert ist auch seine Website www.volzy.com. Zur Begrüßung gibt es Sting's "Englishman in New York" in einer abgewandelten Version: "He's an alien, a humerous Wesfalian, he's a german man in West London."

Ich finde beeindruckend, dass es Profis gibt, die eine einzigartige Seite ihres Berufs so schätzen und auch ausleben wie Volz: Der Beruf öffnet unheimlich viele Türen, macht prominent, und er lässt einem auch noch genügend Zeit, all die normalen aber auch interessanten Dinge zu tun, die sich nicht jedem anbieten.

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