Mittwoch, 17. Dezember 2008

Italienisch für Anfänger I: »Due Spritz ...«

Als wir am Sonntag ein letztes Mal von der Ponte dei Scalzi unsere Blicke auf das geschäftige Treiben auf dem nächtlichen Grand Canal schweifen ließen, hatten die Ramschverkäufer ihre Sachen bereits zusammengepackt. Das stand uns noch bevor, denn einen Tag später sollte es zurück nach Deutschland gehen. Im unserem Gepäck: die Erinnerung an drei spannende Tage in einer Stadt, die nicht nur schön am Wasser gelegen ist, sondern wortwörtlich im Wasser liegt.

Der Trip nach Venedig reiht sich in unsere »Männerfreundschaftstradition: Städtereisen« ein. Und zwar als Teil 2, »Marco und Tobias in Venedig«. Unter Kennern wie uns ist die Stadt im Nordosten Italiens auch bekannt als "La Serenissima", die Allerdurchlauchtigste. Und das zurecht! Die Lagunenstadt zwischen Po und Piave betört mit ihrem mediterran-mittelalterlichen Charme, einem endlos scheinendem Netz verwinkelter Gassen, zahllosen Kanälen und einer köstlichen Spirituose namens »Spritz«.


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Einquartiert haben wir uns im Hotel Giovannina (LINK), in der nördlich von Venedig gelegenen Stadt Mestre. Von hier sind es keine 15 Minuten mit Zug zum Bahnhof Santa Lucia in Venedig. Dieser Zug fährt fast im Minutentakt und kostet etwa einen Euro pro Fahrt. Also geschenkt. Außerdem merkt man bei der Fahrt am eigenen Leibe, wie skurril die Insel Venedig eigentlich ist. Alles, was auf das Eiland muss, wird über die knapp sechs Kilometer lange »Ponte della Libertà« geliefert (oder direkt über den Seeweg). Und am Ende der Brücke ist dann Schluß: Keine Straßen mehr auf der ganzen Insel, außer natürlich die Wasserstraßen. Und auf denen tummeln sich die Boote wie zur besten Ferienzeit auf der A1 in Deutschland die Autos.

Fußgängertechnisch ist die Lage allerdings auch nicht entspannter. Ausser man entflieht den Hauptgassen und dem zäh dahinfließenden Touristenmob und versucht sich querfeldein zum Markusplatz (»Piazza San Marco«) durchzuschlagen. Zwar ist ein solches Unternehmen für den Ortsunkundigen von vornherein zum Scheitern verurteilt, doch dieser Wagemut wird trotzdem belohnt. Mit Eindrücken allererster Güte und gemütlichen Hinterhöfen an engen Kanalstrassen. Zeit zum Innehalten. Ruhe und Kraft tanken. Und vor allem Zeit für das in weiser Voraussicht im Supermarkt gekaufte Bier. Planung ist alles!

Venedig macht Spaß. Vor allem, wenn man ganz unverkrampft ein Ziel auf seiner Karte ausmacht und dann einfach drauflos geht. So kommt man auch an die Hinterhöfe, an die kleinen Cafés fernab der Tourismuszentralen und amerikanischen Touristenhorden. Man muss sich das mal vorstellen: Eine Stadt, deren äußere »Kante«, das Ufer am Canale di San Marco, nur wenige Zentimeter oberhalb der Wasserlinie liegt. Noch etwas geschützt von einem weiteren Inselstreifen, dem Lido, beginnt dahinter bereits das offene Meer: Die Adria. Im Oktober, unserer Reisezeit, ist das alles noch kein Problem. Aber wenn der Herbst die Meere unruhig macht, stehen große Teile der Stadt wieder und wieder unter Wasser.

Das könnte auch ein Grund dafür sein, warum immer weniger Venezianer auf ihrer Insel wohnen möchten. Durch die vielfältigen Erhaltungsmaßnahmen an den Gebäuden, an denen ständig das Wasser und die Fäule nagen, gehen die Kosten natürlich durch die Decke. Und außer mit Touristenbespaßung lässt sich hier schlecht Geld verdienen. Die meisten wandern ab aufs Festland, um dort ihr Glück zu versuchen. Und hier im Norden Italiens gibt es dann auch viele andere Städte, die schön und lebenswert sind. Wir entschlossen uns – stilecht im Fiat Panda – einige von ihnen aufzusuchen. (...)

Teil II des Reiseberichts: www.tobistellerrand.de
Der Text ist ein Gemeinschaftsprojekt von Tobias & Marco.

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