Sonntag, 21. Juni 2009

Ist es ein Flugzeug? Ist ein Vogel? Nein, es ist Superfrucht!

Werber sollten kreativ sein. Viele sind dies auch, unbestritten. Ich finde jedoch, dass man manchmal ein wenig näher am Produkt bleiben sollte, ein wenig näher an der Realität, an Begriffen und Umständen, mit denen die Mehrheit der Gesellschaft was anfangen kann. Es sei denn, die Verwirrung der Konsumenten ist Ziel der Werbung.

Man kann wohl mittlerweile mit dem Angebot eines dickflüssigen, hundertprozentigen Fruchtsaftes allein niemanden mehr so leicht an die Ladentheke zerren. Also brauchen wir einen besonderen Dicksaft, bzw. Smoothie. Einen mit besonderen Eigenschaften, der die Gesundheit fördert und dabei so lecker schmeckt wie selbstgemacht. Einen »Superfruit Smoothie«. Superfrucht? Was kann das sein? Eine fliegende Kirsche, eine Birne mit Röntgenblick? Eine Erdbeere, die sich schnell in einer Telefonzelle ein Superhelden-Kostüm überstreift und zur Hilfe eilt, sobald einer armen, alten Dame die Handtasche gestohlen wird?
Nein. Eine Superfrucht ist qua Definition von chiquita der Granatapfel. Wegen seiner zu vermutenden Sprengkraft? Wieder nein. Wegen der doppelten Menge der so genannten Antioxidantien, die er unter seiner Schale verbirgt. Das verrät uns zumindest der Werbetext im Internet und in einer Printanzeige im Zeit-Magazin (Nr. 25/2009). Aber damit wir nun nicht dumm sterben müssen, klärt uns der Anzeigentext auch noch auf, was Antioxidantien sind: »Sie unterstützen die antioxidative Abwehr«. Ah ja. Danke sehr.
Im Internet nutzt chiquita den unbegrenzt zur Verfügung stehenden Platz bestimmt zu einer Erklärung, die auch Nicht-Lebensmitteltechnikern, -Biologen und anderen armen Gestalten ernährungsmitteltechnisch die Augen öffnet, oder? »Antioxidative Abwehr ist die Fähigkeit des Körpers, mithilfe von Antioxidantien zur guten Gesundheit beizutragen.« Na, bestens. Da bin ich ja beruhigt, sie sind wenigstens nicht gesundheitschädlich.*
In den Tiefen der Website wird dann übrigens doch noch erklärt, was AOs so machen. Leider bin ich schon vorher ausgestiegen. Sorry, Superfrucht, ich widme mich lieber wieder meinen DC-Comics und esse einen Apfel.
* an dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es durchaus Menschen gibt, für die Antioxidantien schädliche Auswirkungen haben

Kommentare:

Anna hat gesagt…

So ein Quatsch, der einzige Spaß beim Granatapfel essen ist doch die Sauerei und das Knacken der Kerne!

Tobias hat gesagt…

Richtiger fände ich: "Nahrungsergänzungsmittel können schädliche Wirkung haben". Darauf kann nämlich getrost jeder verzichten, der sich einigermaßen normal ernährt. Und da gibts in Deutschland wenige Ausnahmen.