Montag, 10. Mai 2010

Angriff der Märkte

Gestern Abend in den Tagesthemen berichtete Tom Buhrow von dem Sondertreffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Aufgrund der Haushaltsschieflage von Griechenland und den ebenso nicht gerade erfolgreich agierenden Kämmerern von Portugal und Spanien sei der Euro in Gefahr und es müsse schnell gehandelt werden.

Buhrow sprach davon, dass man für heute, Montag, einen Angriff der Märkte auf den Euro erwartete. Einen Angriff der Märkte? Ich dachte immer, der Markt ist keine Person, kein Individuum. Er ist ein Ort, an dem sich – ganz klassisch betrachtet – Angebot und Nachfrage treffen, ein Preis entsteht (der deren Austauschverhältnis beschreibt) und diese Ware oder Dienstleistung dann ihren Besitzer wechselt. Wie will er denn angreifen? Und warum? Wer angreift, sind die Akteure auf diesem Markt. Diese gilt es, irgendwie im Zaum zu halten. Wenn man denn den Markt mäßigen und ansatzweise steuern möchte, muss man sich mit den Handelnden auseinandersetzen.

Es ist von daher schon bezeichnend, dass der Markt einfach generell als etwas betrachtet wird, das ein Gewissen - zum Guten wie zum Bösen - besitzt. Etwas, vor dem man Angst haben muss und dessen Handlungen man ungeschützt ausgesetzt ist. Die Realität ist doch vielmehr, dass der Markt in unserer Gesellschaft nur das widerspiegelt, was sich die Menschen, die ihn aufgebaut oder installiert haben, die Politiker und Wirtschafter und ja, auch wir Konsumenten, für ihn ausgedacht haben. Er greift nicht an. Es sind die Geister, die wir riefen.

Alien tripod illustration by Alvim Corréa, from the 1906 French edition of H.G. Wells' "War of the Worlds".

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