Montag, 21. Juni 2010

Konflikte spielerisch lösen

"Football for Hope" – Jugendliche kicken in Johannesburg um Weltmeistertitel im Straßenfußball 


Bremen /// Schon in wenigen Tagen könnte der 16-jährige Johann Averesch in Afrika Fußball-Weltmeister werden. Und zwar im Straßenfußball. Gemeinsam mit sieben anderen Jugendlichen aus Deutschland kickt er von Montag an in Johannesburg um den Titel. Soweit hat ihn allerdings nicht sein fußballerisches Talent gebracht, sondern sein soziales Engagement. Und das steht auch bei der Weltmeisterschaft, dem „Football for Hope Festival“, der jungen Sportler aus 32 Ländern im Mittelpunkt.


„Uns geht es aber nicht nur um einen Titel beim Turnier, sondern um Spaß und den Austausch mit anderen“, erzählt der schlaksige Schüler. Und mit dieser Aussage klingt er ganz anders, als es die gängige Fußball-Rhetorik in WM-Zeiten vorsieht.

Der 16-jährige Johann engagiert sich seit drei Jahren sozial im Bremer Sportgarten. Das ist ein Ort, der Sport als Rahmen für die persönliche Entwicklung von Jugendlichen in den Fokus stellt. „Im Sportgarten wollen wir Begegnungen zwischen Jugendlichen provozieren, die anderswo nicht aufeinandertreffen. Respekt wird dabei zu einem Kernbegriff“, sagt Projektleiter Ulli Barde, Gründungsmitglied des Vereins.

Soziales Engagement hat auch über die WM-Teilnahme an dem von der Fifa und der Stadt Johannesburg organisierten Festival entschieden. „Wir wurden eingeladen aufgrund der sozialen Aspekte unserer Arbeit mit dem Straßenfußball, der Qualität der Projekte rund um den Ball“, sagt Steffi Biester, Delegationsleiterin und Koordinatorin des deutschen Netzwerks Straßenfußball. Gleiche Maßstäbe wurden dann angelegt, um die Jugendlichen bundesweit auszuwählen. Das „Team Deutschland“ besteht aus acht Spielern, jeweils vier Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren. Sie kommen aus Hamburg, Berlin, Potsdam, Köln, Kassel, München, Stuttgart und Bremen.

Die Vorbereitungen für die Mini-WM laufen bereits seit fast einem Jahr. Neben Kennenlern-Treffen und dem gemeinsamen Training wurden in Workshops mit weiteren Schülern auch individuelle Beiträge erarbeitet. Fotografie, Text, Malerei und Videoarbeiten - die kreativen Ergebnisse sind noch bis zum 7. Juli im Haus der Kulturen unter dem Titel „Fußballdeutschland: kulturelle Vielfalt und Bereicherung“ in Berlin ausgestellt. Zu dem Zeitpunkt haben sich Johann und sein Team vielleicht sogar schon in Titelnähe gespielt.

Soziale Themen stehen auch in Johannesburg neben dem Fußball-Training auf dem Programm. Hier werden die besten Beispiele sozialer Arbeit aus den Ländern vorgestellt. Dabei geht es natürlich auch um Themen, die in Afrika von großer Bedeutung sind, wie etwa HIV/AIDS, Armut und soziale Spannungen. 13 der 32 teilnehmenden Nationen sind afrikanisch.

Ganz anders als die gänzlich abgeschotteten Fußballprofis, leben alle Jugendlichen gemeinsam in einem Camp im Township Alexandra auf einem Schulgelände. Das Turnier findet hier öffentlich statt. „Ich denke, wir müssen keine Angst haben. Die Sicherheitsmaßnahmen sind auch hier erhöht worden “, sagt Koordinatorin Biester. Wichtig ist auch ihr, dass die Jugendlichen Spaß haben in Südafrika: „Sie sollen ihren Horizont erweitern und diese Erfahrungen dann in die Arbeit vor Ort mit einbringen.“

Johann Averesch, der nach den Sommerferien das Abitur beginnen wird, ist sich seiner Rolle als Kultur-Botschafter durchaus bewusst. „Es ist schon etwas besonderes, als einer von acht Jugendlichen diese Chance zu bekommen und solche Eindrücke zu sammeln.“ Am größten aber ist die Vorfreude auf die geplante Safari und das Turnier: „Ich habe natürlich noch nie vor 2.500 Menschen gespielt.“

Das Kleinfeldturnier vom 4. Bis 10. Juli ist der Abschluss des "Toleranz"-Festivals. Es gelten die Regeln des Straßenfußballs: „Es gibt keinen Schiedsrichter, Konflikte regeln wir direkt untereinander“, erklärt Johann. „Es geht darum, selbstständig Strategien zu entwickeln, um Konflikte zu lösen.“

Ganz im Hintergrund steht das sportliche Abschneiden beim Turnier aber natürlich nicht. „Naja, ich will schon über die Gruppenphase hinwegkommen, dann ist alles möglich“, sagt Johann und klingt zumindest bei der Einschätzung des Turnierverlaufs genau wie die Profis der Nationalmannschaften in diesen Tagen.

Keine Kommentare: