Mittwoch, 18. August 2010

Das Netz ist tot - lang lebe das Netz!

US-Traffic nach Schätzung von Cisco
Chris Anderson und Michael Wolff vom Wired Magazine erklären das Internet in der aktuellen Coverstory für  tot. Zumindest das Internet, so wie es die meisten von uns kennen. Das Internet, das mit einem Browser den Surfern sichtbar gemacht wird. Er begründet dies mit einer Grafik, die den aktuellen Traffic in den Vereinigten Staaten darstellt. HTML Traffic macht dort nur noch knapp ein Viertel (23%) des gesamten Datenflusses aus. Peer-to-Peer, Video und andere Apps sind Vorreiter. Ob diese Datenerhebungen nun alle so genau stimmen, kann ich nicht beurteilen.
Interessant ist das Statement der Autoren in Bezug auf den Aufstieg der Apps:
»Over the past few years, one of the most important shifts in the digital world has been the move from the wide-open Web to semiclosed platforms that use the Internet for transport but not the browser for display. It’s driven primarily by the rise of the iPhone model of mobile computing, and it’s a world Google can’t crawl, one where HTML doesn’t rule. And it’s the world that consumers are increasingly choosing, not because they’re rejecting the idea of the Web but because these dedicated platforms often just work better or fit better into their lives (the screen comes to them, they don’t have to go to the screen). «
Durch die zunehmende Nutzung von Apps nehmen sich die Nutzer die Möglichkeit, im Internet über Inhalte zu stolpern, die sie zwar nicht gesucht haben, deren Finden jedoch eine Bereicherung für sie auf verschiedenen Ebenen darstellen kann (und oft darstellt). Die Beschränkung auf den Content, den eine App dem Nutzer gewährt, ist nur ein Bruchteil von weiteren Informationen. Dies hat für viele User einen entscheidenden Vorteil: Die zunehmende Komplexität der digitalen Welt wird reduziert. Den Wunsch nach Reduktion muss man natürlich akzeptieren, jedoch ist bei Apps (a: insbesondere mittlerweile bei Apple's eigenwilligem Zensurkurs und b: auch bei den personalisierten Suchergebnissen von Google) die Frage nach dem Entscheider über "Content zeigen" und "Content verbergen" und seinen Motiven relevant. Sie wird bisher (noch) weitgehend ignoriert. Sollte sie weiterhin nicht gestellt werden, sind wir auf dem besten Wege, das Internet tatsächlich zu töten.

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