Dienstag, 28. Dezember 2010

Das Netz im Netz als Ende des Netzes?

In diesen Tagen wird viel über facebook geschrieben und gesprochen. Es sei das größte weltweite Netzwerk, das Wachstum der Nutzerzahlen in 2010 sei einzigartig, facebook entwickle sich zu DEM »Netz im Netz«. Ich mag facebook, ich mag die Idee, mit meinen Freunden aus der Studienzeit in Finnland und Deutschland, der Verwandschaft aus Holland und Bekannten von Übersee in Kontakt zu stehen. Was mich stört, ist die zunehmende Monopolstellung des US-Amerikanischen Unternehmens von Mark Zuckerberg.

Genauer gesagt: Die Idee der offenen, neutralen Kommunikation, der Nutzung von offenen Standards tritt momentan etwas in den Hintergrund. Das gefällt mir nicht und entspricht nicht meinem Verständnis vom Internet, seinen Chancen und Möglichkeiten in Bezug auf Demokratisierung durch Information und (ja, ich bleibe naiver Idealist) Teilhabe. Hoffentlich gilt dies nur für die öffentliche Wahrnehmung, nicht aber für die Netz-Realität, die ja nun doch noch etwas anderes ist als das, was Medienkonzerne als ihre Realität über das Internet vermitteln.

Mein Bild über das Web hat sich im Laufe der Jahre durch die Nutzung geprägt, aber auch stark durch das durch andere Menschen formulierte Verständnis des Internets. Einer der Vordenker des Internets, Tim Berners-Lee, hat sich vor kurzem mit einem »Call for Continued Open Standards and Neutrality« im Magazin »Scientific American« eindrucksvoll zu Wort gemeldet.

The Web as we know it, however, is being threatened in different ways. Some of its most successful inhabitants have begun to chip away at its principles. Large social-networking sites are walling off information posted by their users from the rest of the Web. Wireless Internet providers are being tempted to slow traffic to sites with which they have not made deals. Governments—totalitarian and democratic alike—are monitoring people’s online habits, endangering important human rights.

Mit der Kritik sind sicherlich Unternehmen wie facebook gemeint, aber auch beispielsweise Apple. Lange Jahre sowas wie "Everybody's Darling" in der kreativen Klasse und auch bei Wissenschaftlern, zeigt die Strategie in den letzten Jahren doch eher in eine andere Richtung. Apple möchte mehr und mehr die Hoheit über den Content bekommen, der auf den hauseigenen Geräten läuft. wir sind nur noch in der Lage, die Apps zu kaufen, die Apple für den App Store freigibt und die Musik hören, die wir im iTunes-Store kaufen können. Größtenteils kann ich auch im US- oder UK-Store nicht einkaufen. Das hat noch nicht mal etwas mit einem der wichtigsten Gedanken der liberalen US-Wirtschaft zu tun, der freien und vor allem unregulierten Marktwirtschaft.

Und was machen wir nun, die Internetnutzer? Über Alternativen nachdenken, das sollte das Mindeste sein. Man könnte Projekte unterstützen wie etwa Diaspora, ein Open Source Social Network, bei dem die Kontrolle über die eingestellten Daten wirklich beim Nutzer verbleibt. Es gibt viele weitere Beispiele im Netz, man muss nur mal kurz die ausgetretenen Pfade verlassen und alte Informationsroutinen abstreifen.

1 Kommentar:

wooden gates hat gesagt…

Eine zer gut artikle.