Mittwoch, 6. Juni 2012

EM-Tagebuch, Tag 1 - Würzburg, Frankfurt, Wien, Charkiw


Charkiw. Mit einem "w" am Ende, davor ein "i" - kein "o" - und vorne ein "ch" anstatt eines "kh", damit die Niederländer es auch besser aussprechen können (oder weil es hier so geschrieben steht). Die Holländer werden in der 1,5-Millionen-Einwohner-Metropole in der Ukraine schließlich alle ihre drei Gruppenspiele während der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (Eröffnung am 8. Juni, um 18.00 Uhr in Warschau mit dem Spiel Polen vs. Griechenland). "Kharkiv" - wie der Engländer schreiben würde, wird in den nächsten zwei Wochen meine Basis sein, von der aus ich über die EM berichte.



Mit meiner Disposition habe ich wirklich Glück gehabt, ich kann mir als halber Holländer alle Spiele der "Elftal" ansehen - darunter natürlich auch das nimmermüde Nachbarschaftsduell mit den Jungs von Jogi Löw. Und als kleine Bonbons gibt es dann noch den Gastgeber Ukraine in Donetsk und - frei nach Kaiser Franz Beckenbauer ("We call it a Klassiker") den, eben, Klassiker Frankreich gegen England.

Der Montag ging für die Anreise drauf, bin um vier Uhr am Morgen los. Mit dem Auto von Würzburg nach Frankfurt, rein in den Flieger und ab nach Wien, umsteigen und dann weiter nach Charkiw. Zu dem Flughafen, den der Oligarch Alexander Jaroslawski eigens für die EM hat bauen lassen. So, wie auch das Stadion von Metalist Charkiw. Ohne Oligarchen keine EM. Einen interessanten Artikel zu der "Vergabe" der Bauaufträge rund um die EM gab es gestern in der Faz. Die meisten aller Aufträge sind wohl ohne transparente Ausschreibung an Unternehmen vergeben worden, die in der Heimat des amtierenden Präsidenten Janukowitsch ansässig sind.

Allgemein muss man sagen, dass hier noch immer ordentlich gearbeitet wird, um bis zum ersten Spiel am Samstag, 9. Juni (18.00 Uhr, Niederlande - Dänemark) alles fertig zu bekommen. Die Schlagbäume am Flughafen und die gekoppelten Automaten, in die man eine Parkkarte stecken muss werden noch von Hand bedient. Von einem Menschen, der wie ein General aussieht (das vielleicht auch ist?). Die vierspurige Straße vom Flughafen in die Stadt ist fertig, die Spurlinien aber noch nicht angebracht. Fahrerfahrungen, die man nicht vergisst. Die Menschen sind nett, was ich soweit sagen kann. Kaum einer spricht englisch, auch in Restaurants und anderen Dienstleistungsläden nicht.

Das Appartement ist ok, wenn es auch von außen sehr verranzt anmutet. Der Gegensatz von alt und neu, extrem reich und extrem arm zeigt sich einem auch an jeder Straßenecke. Ganz krass, als eine 14 Meter lange weiße Limousine mit schreienden jungen Frauen durch die abgegriffene Hauptstraße raste, oder aber Polizisten auf dem Flughafenklo ihre Dolce-und- Gabbana-Schuhe putzten. Der Schein scheint wichtig zu sein.

Soviel vorab und zum aktuellen Stand. Ich bin gespannt. Und habe beschlossen, in loser Folge für die Dauer der EM meinen Blog wieder mehr zu pflegen, den einen oder anderen interessiert es tatsächlich. Stay tuned if you like.


Kommentare:

Christian hat gesagt…

Hatte das Geschrei der Damen mit deiner Anwesenheit zu tun?

Marco hat gesagt…

Nein, ich glaube die wollten im Angesicht der großen Lenin-Statue am Wegesrand nur zeigen, was wirklich zählt: Sekt und ja, Schuhe und Autos oder so