Mittwoch, 6. Juni 2012

Tag 2 - Besuchsversuch bei Julia, Fanmeile, Polizei - dein Freund und Helfer


Das Turnier hat am Mittwoch erwartungsgemäß noch nicht begonnen, aber wir sind hier. Fotograf Daniel und ich bewohnen ein Appartement, sehr zentral gelegen und in marodem aber vertretbarem Zustand. Nun: Was macht man als Sportreporter in Charkiw, wenn keine Sportler da sind (noch nicht mal wirklich viele Journalisten): genau, in der Politik wildern.



Wir sind zum Krankenhaus gefahren, in dem Regimekritikerin Julia Timoschenko momentan untergebracht ist, um es zu fotografieren. Der Kollege kam nicht rein, ich bin schnurstracks an ihm und den abgelenkten Wachen bis zur Anmeldung gekommen, dann war auch für mich Schluss. Fotografieren an sich ist hier nicht wirklich angesagt.

Das mussten wir auch bei Suche nach einem begehbaren Hochhaus feststellen, von dem wir ein Bild des Stadions machen wollten. Ich kürze die stundenlange Geschichte ab: Es hat nicht funktioniert. Aber wir haben mal wieder Dinge gesehen, die ich so noch nicht kannte.

Auch wenn es nicht gefunzt hat: Die Ukrainer sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Und ich gehe nicht davon aus, dass das nur aktuell zu der EM so ist. Auch wenn sie den Dienstleistungs- Überwachungsapparat  ganz schön ausgebaut haben. Es fahren Kleinbusse voller Polizisten durch die Gegend, die vielleicht gerade 18 Jahre alt sind. Des Englischen sind davon auch nur etwa einer pro Bus, also ein Zwanzigstel, mächtig.

Am Abend haben wir uns dann überlegt, ob wir das unseren Kollegen gegenüber verantworten können, so wenig zum Sportdienst beizutragen. Die Antwort lautete ja. Und nach den ersten Eindrücken geht zumindest Daniel nun endgültig zu folgender Herangehensweise über: "Ich denke von jetzt an nur noch von Spiel zu Spiel". Die Aufgabe für morgen: Akkreditierungen bekommen, Stadion betreten.

Die Rechnung des Tages: 150,02 UAH (Hrywnja), umgerechnet 15 Euro und "Zweizehntelcent".

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