Mittwoch, 18. September 2013

Interview Dr. Thomas Bach

Für die Universität Würzburg hatte ich die Gelegenheit, ein Interview mit Dr. Thomas Bach, dem neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees zu führen. Er ist Alumnus der Uni und geboren in der Residenzstadt am Main und sagt: "In der Region lag der Nährboden für meine Entwicklung"




Auszug:

(...)

Uni: Sind solche Großevents, das Ziel des "immer-größer-werdens" noch zeitgemäß? In welche Richtung werden sich die Spiele unter Ihrer Ägide entwickeln?
Bach: Wir müssen hier die richtige Balance finden, denn große Sportevents faszinieren die Menschen wie keine anderen Veranstaltungen. Schauen Sie sich mal die Zuschauerzahl bei Olympischen Spielen an: Über 4 Milliarden Menschen haben die Olympischen Spiele in London im Fernsehen oder im Internet verfolgt. Hieran erkennen Sie die unglaubliche Kraft des Sports, der die größte Kommunikationsplattform der Welt ist. Glücklicherweise bewerben sich immer noch regelmäßig die faszinierendsten Städte der Welt um Olympia. Begrenzende Faktoren für Gastgeber sind aus meiner Sicht die Zahl von 10.500 Athletinnen und Athleten sowie die Zahl der dauerhaften Sportstätten. Hier haben wir absolute Obergrenzen erreicht. Aber andererseits müssen wir uns die Frage stellen, ob wir wirklich bei 28 Sportarten bleiben müssen. Denn ob wir in 28 oder 29 Sportarten 302 oder 310 Goldmedaillen in 17 Tagen vergeben, ist letztlich nicht entscheidend. Deshalb sehe ich Spielräume, solange wir nicht mehr Athleten haben und keine zusätzlichen Sportstätten benötigen. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Olympischen Spiele so attraktiv sind, dass neue Sportarten gern ins Programm aufgenommen werden. Hierfür müssen wir Perspektiven suchen.

Uni: Eine große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft: Kampf gegen das Doping. Immer neue Enthüllungen offenbaren einen über viele Sportarten hinweg intensiven Gebrauch verbotener Substanzen. Sie gelten als Verfechter einer harten Linie. Gehört dazu auch, dass die Umsetzung eines "Anti-Doping-Gesetzes" bevorsteht?
Bach: Wir haben gesetzliche Regelungen gegen Doping in Deutschland. Diese sind im Arzneimittelgesetz festgeschrieben. Sie wurden 2007 vom Bundestag auf Anregung des DOSB beschlossen und gerade erst vor wenigen Monaten verschärft. Sie haben dazu geführt, dass u.a. Dopinghändler in Deutschland zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. Es gab Telefonüberwachungen bei Athleten, es gab Hausdurchsuchungen nach Anzeigen, die im Zuge von Dopingfällen erstattet worden sind. Streitpunkt ist nun allein die juristische Frage nach der Einführung einer uneingeschränkten Besitzstrafbarkeit bzw. nach Einführung des Straftatbestandes Sportbetrug. Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich bin für alle Strafverschärfungen offen, die die „strict liability“ und damit die Sportgerichtsbarkeit nicht gefährden, denn diese ist schneller, unmittelbarer und härter als die staatliche Gerichtsbarkeit.



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