Donnerstag, 17. Oktober 2013

Von Australien nach Indien - Google Earth führt Saroo Brierley nach 26 Jahren zurück zu seiner Familie

Man muss ja bei den Marketingvideos und Testimonials von Google durchaus kritisch sein. Kann das immer alles so sein? Ist das nicht ein wenig übertrieben? Diese Geschichte scheint echt zu sein. Und ich finde sie unglaublich beeindruckend.

Im Jahr 1986 schlief der damals gerade einmal fünf Jahre alte Saroo Munshi Khan in einem Waggon ein, der an einem indischen Bahnhof abgestellt war. Stunden später wachte er im 1.500 Kilometer entfernten Kalkutta wieder auf – fernab seiner Familie und seines Zuhauses. Khan wurde von einer Australierin adoptiert – und hat 26 Jahre später seine leibliche Familie in Indien wiedergefunden. Mit Hilfe von Googles Kartendienst Google Earth.


 "You have to got the will and the determination of wanting it" - Saroo Brierley 

Google erzählt die Geschichte im Corporate-Blog als Video. An jenem Tag im Jahr 1986 suchte Khan gemeinsam mit seinem Bruder am Bahnhof im indischen Berhanpur nach Münzen. Während sein Bruder sich auf dem Bahnhof umsah, schlief Khan in einem stehenden Waggon ein. Als er wieder aufwachte, war er im 1.500 Kilometer entfernten Kalkutta – als Fünfjähriger, ohne Familie, ohne Freunde.

Er schlug sich auf der Straße durch, bevor er in ein Waisenhaus gebracht wurde. Dort adoptierte ihn ein australisches Paar, bei dem er letztlich im tasmanischen Hobart aufwuchs. Mit sechs Jahren hatte der Bub eine neue Heimat und neue Eltern. Khan wuchs als Tasmanier auf, die Suche nach seinen Wurzeln beschäftigte ihn allerdings weiterhin.

2011 begann er, für die Suche nach seiner indischen Heimat das Internet zu nutzen. Auf Basis verschwommener Erinnerungen, wie es in seinem Heimatdorf ausgesehen hatte, begann er mit Googles Satellitenaufnahmen Indien zu durchsuchen. Als Anhaltspunkt diente ihm die Zugfahrt, anhand ihrer Dauer grenzte er sein Suchgebiet ein.

In vielen mühevollen Stunden scrollte er durch die Satellitenbilder, arbeitete sich von einer verschwommenen Kindheitserinnerung zur nächsten vor. Irgendwann war es so weit: Er entdeckte eine vertraute Nachbarschaft, eine bekannte Straße – Dächer, die ihm bekannt vorkamen. Mutter und Geschwister nach 26 Jahren gefunden 2012 machte sich Khan dann auf den Weg ins indische Khandwa, wo er sich Stück für Stück seiner 26 Jahre zuvor verlorenen Familie näherte. Die Hinweise Einheimischer vereinten Khan dann tatsächlich wieder mit seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Schwester.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert war die Familie wieder zusammen. Saroo Khan, der heute längst den Namen seiner australischen Adoptiveltern trägt und mit Nachnahmen Brierley heißt, hat seine Erlebnisse in einem Buch verarbeitet. Der passende Titel: "A long way home". 

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