Montag, 13. Oktober 2014

Vergleichstest: Polar V800 vs. Garmin fenix2

Am Anfang stand die Frage nach einer Uhr, die sowohl für das Training auf dem Rad, als auch im Wasser oder aber beim Laufen bestehen kann. So genannte Multisportuhren gibt es ja seit einiger Zeit einige. Ich bin für meinen Vergleich bei der Polar V800 und der fenix2 von Garmin hängengeblieben. Zwei Trainingscomputer, die diese Anforderungen mehr als erfüllen und zudem die Möglichkeit bieten, diesen Triathlon in einer Einheit zu absolvieren. Für die ganz Ungeduldigen sei bereits hier folgendes notiert: Es handelt sich bei beiden Uhren um tolle Produkte. Punkt. Mit beiden kann man sich bestens auf einen Triathlon vorbereiten oder aber annähernd alle Aktivitäten verfolgen, messen und analysieren, die einem im Lebensbereich Sport so einfallen.

Beide Uhren kommen in angemessener Verpackung. Auch hier: Die Polar ist etwas schlanker.

Vorausgesetzt, man möchte für eine Uhr (die viel mehr als "nur" Uhr ist) annähernd soviel Geld ausgeben, wie für ein Smartphone. Die Polar V800 mit Brustgurt geht bei runnerspoint für 449,00 Euro über die Ladentheke. Die Garmin fenix2, ebenfalls mit Brustgurt, ist aktuell bei Engelhorn für 398,00 zu bekommen, sonst liegt sie auch bei 449,00 Euro.

Tägliche Nutzung auch als Fitnesstracker? Auch möglich. 

Die Polar wurde im Testzeitraum (Sommer bis Frühherbst 2014) regelrecht zu einem Lebens- und Trainingspartner. Sicherlich auch durch ihr schlankeres Design im Vergleich zur fenix2 - aber nicht nur. Denn die Möglichkeit, mit ihr den gesamten Tag wie mit einem Fitnesstracker oder eben Fitnessarmband aufzuzeichnen, kam gut an. Ich war doch überrascht, wie viel man so als Vater einer knapp einjährigen Tochter während eines vierwöchigen Zelturlaubs so unterwegs ist.

Seitenansicht. Die V800 rechts.
Im Urlaub konnte ich - neben meinen Standardaktivitäten auf dem Rad, mit Laufschuhen oder beim Schwimmen - zudem viele Sportarten ausprobieren. Unter anderem Rudern. Bei allem lässt sich eines sagen - das gilt für beide Produkte - am meisten macht der Einsatz sicherlich Sinn mit dem Brustgurt. Aus dem simplen Grund, dass erst mit der Herzfrequenz auch ein aussagekräftiges Bild über die Leistungsfähigkeit entsteht.

Darstellung der mit der V800 erfassten täglichen Aktivität mittels iPhone App.

Aber auch die GPS-Aufzeichnung beim Rudern und Kanufahren alleine war bereits spannend. Wobei das GPS-Signal der Polar weniger stabil scheint, als das der Garmin. Gerade beim Rudern auf dem See, eigentlich komplett freiem Himmel, sprang das Signal ab und an munter umher. Reflexionen? Ich weiß es nicht. Es war aber noch tolerabel.
Verschiedene Ansichten der Polar Flow App (iPhone 4S)
Garmin Connect vs. Polar Flow vs. Apples Health Kit 

Es gibt für beide Technik-Schlachtschiffe von Garmin und Polar viel sinnvolles Zubehör, im Hard- und Softwarebereich sozusagen: Bei Garmin beispielsweise viele weitere über ANT+ zu verbindende Sensoren für Radfahrer, bei Polar über Smart Bluetooth ebenfalls beispielsweise einen Sensor für Trittfrequenz und sogar ein Watt-Messsystem in der Pedale (von Kéo).

Aber nun zur Software: Am Abend konnte man alle relevanten Daten entweder in der Polar-Flow-App auf dem iPhone ansehen, oder aber auf dem Notebook in der Browservariante. Die Synchronisation läuft entweder per Kabel über den Rechner, oder eben per Bluetoothschnittstelle und Smartphone. Eine gute Möglichkeit, schnell via Bluetooth mit dem Device zu synchronisieren, ist das dreisekündige Drücken der "Back"-Taste. Manchmal dauerte das Übertragen der Daten recht lang - aber das scheint mir bei Bluetooth oft der Fall zu sein. So groß können die Datenmengen eigentlich nicht sein. Bei der Fenix lief die Synchronisierung aber ähnlich ab - jedoch hatte ich den Eindruck, dass sie ab und an etwas fixer war. Eine kleine Enttäuschung: während Garmin mittlerweile Apples Health Kit unterstützt, ziert sich Polar noch.

Bei der Möglichkeit zur Auswertung und Archivierung der Leistungsdaten im Internet tun sich beide Unternehmen wenig. Das Design der Garmin-Seiten ist etwas frischer - aber das ist eine Stilfrage, sehr subjektiv.
Garmin Connect Webplattform. Schön gestaltet und funktionell.
Erfüllt ebenfalls seinen Zweck: Polar Flow Website.
Bei Polar sind ebenfalls alle Daten zu Wegstrecke, Sportart, Aktivität und Co. übersichtlich dargestellt. Witziges Feature ist, dass man sich die Laufstrecke im Nachhinein nochmals ansehen kann, in Form einer kleinen Animation, inklusive einiger Bilder von Google "vom Wegesrand". Ebenfalls ganz interessant: Die Aktivität anderer Nutzer, die beispielsweise irgendwo in Helsinki mit dem Rad unterwegs sind, kann angesehen werden (wenn diese dies in den Datenschutzeinstellungen entsprechend ermöglicht haben).
Wer treibt denn noch so gerade Sport? Einsichten in die weltweite Bewegungskultur.
Erholungsempfehlungen und Trainingsplanung

Die V800 ist in der Lage, das absolvierte Training zu beurteilen und eine Erholungsempfehlung auszusprechen. Schon interessant, leider waren die Ergebnisse manchmal ein wenig unverständlich. Selbst bei in meinen Augen intensivem Training erkannte die Uhr lediglich einen "milden" Trainingsverlauf. Zudem wurde mir nach einem intensiven Training einmal eine achttägige Pause vorgeschlagen - sehr unrealistisch, quasi Urlaub.

Aber das liegt sicher an vielen Faktoren, zudem denke ich, dass die zugrunde liegenden Algorithmen, die diesen Empfehlungen zugrunde liegen, nach und nach weiter optimiert werden. Wirklich gut sind beide Produkte, wenn man einen für sich gemachten Trainingsplan einspeist. Die Uhr erinnert einen an die anstehenden Aufgaben, man sieht seine Fortschritte etc. Es gibt Möglichkeiten, beispielsweise genau auf einen Halbmarathon hinzutrainieren oder ähnliches.

Und die Beantwortung der Eingangsfrage? Training auf dem Rad: mit beiden sehr gut möglich. Gerade durch die vielen Zubehörteile. Diese gehen aber extra ins Geld. Die Polar hat keinen eingebauten Geschwindigkeitssensor/Tacho, bzw habe ich das so verstanden, dass dem eben nicht so ist.

Was beim Laufen noch mehr ins Gewicht fällt - wobei die Durchschnittswerte der Abschnitte mir persönlich eigentlich reichen. Im Wasser tun sich beide mit der Datenübertragung ein wenig schwierig, die fenix2 schneidet hier besser ab als die V800. Aber es geht. Zudem wird ab und an im Internet kritisiert, dass Polar noch einige Funktionen per Firmware-Update nachschoben wollte, die speziell für die Analyse des Schwimmtrainings von Bedeutung sind. Aber bisher ist da nicht wirklich was passiert. Ich kann nur sagen, dass ich mit der Uhr in ihrer aktuellen Variante sehr zufrieden bin. Update, gerade im Schwimmbereich, wären aber sicher noch angebracht.

Fazit 

Wie eingangs und ab und an im Fließtext bereits beschrieben: Beide Uhren sind wahnsinnig gute Produkte. Je nachdem, was einem wichtig ist, hat die eine oder die andere die Nase vorne. Insgesamt ist es unglaublich, was sich in den letzten Jahren in dem Bereich getan hat. Man trägt einen kleinen Computer am Handgelenk. Prozessoren, Speicher - und vor allem: Sensoren - haben wahre Entwicklungssprünge absolviert. Die beiden Probanden bieten einem unendlich viele Möglichkeiten. Da muss jeder vorher wohl ein wenig Zeit investieren, um den für sich passenden Trainingsbegleiter erst einmal zu definieren - und am besten danach erst ins Fachgeschäft gehen.
Die Garmin (rechts) ist etwas bulliger. Die Polar gibt sich etwas dezenter. 
Die PROs der beiden Wettbewerber 

Ein großes Plus der Garmin fenix2 ist der sehr gute barometrische Höhenmesser, zudem können die umfangreichen Möglichkeiten zur Navigation rund um das Thema GPS überzeugen. Da es mich gerne mal in die Berge verschlägt, ein wirkliches Plus für mich. Man kann sogar einen Punkt anpeilen und sich dorthin navigieren lassen. Sehr stark!

Die Polar überzeugt vor allem mit der Möglichkeit, auch als Fitnesstracker 24/7 mit seinem Besitzer durch dick und dünn zu gehen. Das etwas schlankere Design ist in Sachen Handhabung ein Pro, die Gestaltung der fenix2 ist in meinen Augen aber sehr, sehr gelungen - sie ist leider nur etwas groß geraten. Die einzelnen Features der Garmin fenix2 findet ihr hier, die Polar V800 hier.

Kommentare:

Tobias hat gesagt…

Danke für den schönen Testbericht! Ich finde die Polar rein äußerlich hübscher. Vielleicht etwas zu früh, aber wie glaubst Du schneiden die zwei Uhren im Vergleich zum iPhone 6 ab? Äpfel und Birnen, ich weiß, aber mit integriertem Motion Prozessor im iPhone gibt's da doch sicher Überschneidungen, oder? Mal abgesehen vom Schwimmtraining...

Marco hat gesagt…

Also tendenziell ist die Einschätzung von Branchendiensten diesbezüglich eher positiv: http://gizmodo.com/the-iphones-new-m8-chip-makes-it-a-truly-badass-fitness-1632519058 . Zudem hat Health Kit noch mit einigen Bugs zu kämpfen. Die Kommunikation zwischen Garmin-Geräten und Health-Kit funktioniert, auch Daten aus der Runtastic-App werden gut übertragen. Aber danach hattest du ja eigentlich nicht gefragt. iPhone 6 doer 6 Plus als eigener Trainingscomputer? Da man das iPhone auch mit einem Brustgurt koppeln kann, ist auch hier eine problemlose Erhebung professioneller Daten möglich. Wie akkurat das dann immer ist? Keine Ahnung. Polar und Garmin sind schon seit langer Zeit bei Athleten und Profisportlern in Verwendung. Ich gehe da noch von einem Vorteil aus. Zudem ist die Uhr am Handgelenk nicht nur beim Schwimmen praktischer: Auch auf dem Rad und vor allem beim Laufen stört die Mitnahme eines iPhones - mich jedenfalls. Aber ich will auch keine Musik dabeihaben und "genieße" die natürlichen Umgebungsgeräusche. Aber man sollte das iPhone diesbezüglich auf jeden Fall im Auge haben.Da ich noch auf mein iPhone 6 warte, bin ich auch gespannt, wie es sich beispielsweise beim Bergsteigen oder Skifahren so macht. ich werde berichten. Die Akkulaufzeit könnte da ein Thema werden. Bei der Übertragung der Herzfrequenz beispielsweise empfängt das iPhone jede Sekunde einen Datensatz.