Mittwoch, 18. November 2015

Ausprobiert: HERO4 Session: Annähernd unkaputtbarer Spaßwürfel von GoPro

Eigentlich wollte ich die HERO4 Session ja beim Klettern ausprobieren, was sich dann aus verschiedenen Gründen nicht ergeben hat. Im Endeffekt war es aber sogar eine gute Sache, ich habe viele andere Bereiche gefunden, wo man mit dem Kamerawürfel eine Menge Spaß haben kann. Natürlich war das Motorradfahren auch dabei (siehe Video). Was mir aber noch viel mehr gefallen hat, war der Einsatz als Familien-Kamera: klein, nicht kaputt zu bekommen und eben wasserdicht.

Ich war mit meiner Tochter beim Babyschwimmen, Laufradflitzen, Bett aufbauen und natürlich auch beim geliebten täglichen Chaos eine Zeit lang immer mit der Kamera dabei. Es sind tolle Aufnahmen entstanden, die ich hier im Netz nur bedingt teilen möchte. Anbei aber ein paar kleine Einblicke.


Laufrad on the Main from marcobo on Vimeo.

Bei all diesen Unternehmungen besticht die Hero4 Session einfach durch ihre geringen Maße von etwa 40 x 40 x 35 mm . Man vergisst sie schnell (was auch nicht nur gut ist …) und kann sich dem Zusammensein widmen. Die vielen Befestigungsmöglichkeiten machen sie zudem zu einem extrem flexiblen Begleiter. Auch, wenn die Kamera am iPhone 6s auch in der Lage ist, tolle Aufnahmen zu machen: die GoPro ist da einfach viel praktischer und man muss nicht permanent Angst haben, sein Telefon im Kameraeinsatz zu zerstören oder zu verlieren - was gerade beim Klettern und besonders: im Schwimmbad von Vorteil ist.

Wasserdicht auch ohne Sonderzubehör

Die kleine Kamera kommt ohne Hülle, ist wasserdicht per se. Sie liegt sicher in der Hand, da sie ein wenig an der Oberfläche gummiert ist. Ich hab’ dem Gehäuse und dem Titanglas anfangs nicht getraut, kann aber mittlerweile - nach vielen kleinen Unachtsamkeiten - sagen, dass sie hart im nehmen ist. Wichtige Info: Das Kameraglas an der Vorderseite kann vergleichsweise einfach ersetzt werden, dafür gibt es den entsprechenden Kit im GoPro-Shop für 45 Euro, inklusive Werkzeug.

Damit sind wir indirekt ja auch schon beim Zubehör angekommen, zumindest im Shop. Positiv ist, dass die Befestigung der Kamera an Helm, Motorrad, Handgelenk und Co. weiterhin über die gleichen Aufnahmen funktioniert. Sehr lobenswert ist das neue Kugelgelenk, das es ermöglicht, die Kamera schnell um bis zu 360 Grad zu drehen und zudem noch den Neigungswinkel anzupassen. Mein Lieblingszubehör: Floaty. Einfach mal nachschlagen - es ist eine Schwimmhilfe.

Klappe, Action, ein Knopfdruck und die Session startet

Session also. Der Name soll sich auf die leichte Bedienung beziehen, darauf, dass man mit einem Knopfdruck an der Oberseite der Kamera eine Session mitschneiden kann. Ein Blick ins Menü entfällt. Lediglich zwei Knöpfe und ein zweizeiliges LCD-Display finden sich auf der Oberseite. Drückt man den Knopf kurz, schaltet sich die Kamera ein und fängt an, ein Video aufzunehmen. Wird er etwa drei Sekunden lang gedrückt gehalten, startet ebenso prompt die Aufnahme von Intervallbildern. Ein Piepen und zwei gut sichtbare LEDs an den Seiten dienen als Indikator für den Aufnahmestart.

Soweit, so gut. Ich finde, die Aufnahme könnte etwas direkter starten. Gerade, wenn man den kleinen Würfel oft einfach in der Hand hat und “mal eben” eine schnelle Aufnahme machen möchte. Zudem braucht man zur Einstellung von annähernd allen Parametern ein Smartphone und die zugehörige (kostenfreie) App. Was aber auch hierhin gehört: Durch ein Update wurde der direkt am Würfel einzustellende Funktionsumfang bereits deutlich erweitert:  Videos: Auflösung, Bilder pro Sekunde und Blickfeld. Für Time-Lapse-Photos (Zeitraffer): Auflösung und Intervalle.

Vielleicht passiert da ja noch mehr. Leider kann der Akku nicht getauscht werden. Ist man länger im Gelände unterwegs, wäre es sehr wünschenswert, über einen Austauschakku die Laufzeit vervielfachen zu können.

Die Eckdaten der Hero4 Session:

  • 8-Megapixel-Sensor
  • Wasserdicht bis 10 Meter
  • 170-Grad-Weitwinkellinse
  • 1440p-Aufnahmen mit 30fps, 4:3 hochauflösend
  • 1080p-Aufnahmen sind mit 60fps, 720p mit 100fps möglich
  • WiFi und Bluetooth-Konnektivität
  • Micro-SD-Kartenslot
  • Akkulaufzeit bis zu zwei Stunden (wenn man sehr sparsam ist)

Guter Ton, gutes Bild

Bild und Ton haben mich überzeugt. Hier sollte ich aber erwähnen, dass ich da auch relativ schnell zufrieden zu stellen bin. Es muss in meinen Augen nicht 4K oder 5K sein. Full-HD ist schon wirklich gut. Auf dem entsprechenden Endgerät sieht es auch super aus. Zudem werden die Datenmengen ja auch immer größer.

Was ab und an an der Hero4 Session kritisiert wird, ist die Auflösung. In meinen Augen reicht jedoch Full-HD absolut, auch wenn es technisch sicher nicht so schwer gewesen wäre, die Kleine für 4K auszulegen. Im Endeffekt ist die Ausstattung aber immer eine Kompromissentscheidung und hat viel mit der Einpreisung im Marktsegment zu tun, abhängig auch von dem, was Konkurrenten so liefern. Wem 4K wichtig ist, der muss mit der größeren Schwester von GoPro vorlieb nehmen, der Hero4 Black/Silver.

Vorteile:

  • kleine Abmessung, sehr leicht
  • Wasserdicht bis 10 Meter Tiefe
  • Audioqualität ist gut (im “Normalbetrieb”)
  • Kugelgelenk an der Halterung
  • viel zubehör verfügbar

Nachteile:

  • Akku kann nicht ausgetauscht werden
  • relativ behäbiger Aufnahmestart
  • App nur für Android oder iOS-Geräte

Fazit

Ich finde die Hero4 Session gelungen. Gerade, weil hier und da vielleicht noch Optionen fehlen. Sie ist nicht so “aufgeblasen”, eher “abgespeckt” und drahtig, so wie man das von einem Sportler erwarten würde. Und beim Sport und auch jeder anderen Aktivität überzeugt die GoPro mit ihrer Handlichkeit. Zudem scheint sie, bis auf das Kristallglas an der Vorderseite, wirklich unverwüstlich. Und das Glas kann man wie gesagt zur Not tauschen. Mit einem Preis von 329 Euro (im GoPro-Shop, woanders teilweise unter 300 Euro) kommt der Winzling nicht gerade preiswert daher - auch wenn dies schon unter dem Einstiegspreis zur Markteinführung liegt. Mich haben Konzept, Widerstandsfähigkeit und Vielseitigkeit dennoch überzeugt.

Kommentare:

Tobias hat gesagt…

Schöne Rezension, schönes Video! Kannst Du noch ein paar Worte zur tatsächlichen Batterielaufzeit verlieren? Ich habe die GoPro Hero 3 Black und an guten Tagen ist der Akku "erst" nach 60 Minuten Aufnahme leer. Bei kurzen Videosequenzen ist das kein Problem, bei längeren Aufnahmen schon nervig.
"Viel praktischer als die Kamera im iPhone 6S" würde ich so nicht unterschreiben, immerhin trägst Du jetzt ein zusätzliches Gerät mit Dir rum. Aber in puncto Wasserdichtigkeit gebe ich Dir recht: mein iPhone gammelt irgendwo im Hafenbecken vor sich hin. Das wäre mit der GoPro wohl anders gelaufen...

Marco hat gesagt…

Danke. Ja, das mit dem Akku ist so eine Sache. GoPro sagt zwei Stunden. Aber wenn man die Kamera öfters mit dem Handy verbindet, um Einstellungen vorzunehmen, dann sinkt die Betriebsdauer gerne auf anderthalb Stunden. Und es ist vor diesem Hintergrund wirklich schade, dass man die Akkus nicht tauschen kann.