Sonntag, 21. Februar 2016

Ausprobiert: Garmin Forerunner 235

Wenn es um Lauf- und Sportuhren geht, durfte ich mittlerweile schon einiges am Handgelenk tragen. Und das, obwohl ich eigentlich seit mehr als 15 Jahren keine Uhren im Alltag mehr tragen mag.Doch es gibt eine Ausnahme: Garmins neue Forerunner 235, offiziell vorgestellt Ende 2015, ist mittlerweile immer dabei, nicht nur beim Sport. Und das liegt nicht nur am sparsamen Gewicht von 41 Gramm und dem dezenten Auftritt in Schwarz-Grau.



Laufuhr, Fitnesstracker und Smartwatch zugleich

Dafür gibt es mehrere Gründe: Sie ist Laufuhr, Fitnesstracker und Smartwatch zugleich. Und sie macht alles gut. Verbunden mit dem iPhone (in diesem Fall 6S, iOS 9.2.1) pusht sie Kurznachrichten aus Whatsapp, iMessages, Instagram, Wunderlist, Kalendererinnerungen und alle anderen gewünschten Updates aufs Display (Garmin OS: 3.30). Dabei ist sie sehr zuverlässig und stabil in der Bluetooth-Verbindung. Ein Punkt, der mich bei der Suunto Ambit Peak3 gestört hat.

Laufuhr

In erster Linie soll die Forerunner 235 ja eine Laufuhr sein. Und da Garmin - gerade mit der Forerunner-Serie - eine ziemliche Erfahrung in diesem Bereich hat, müssen hier sicher nicht alle Features noch eimal in Detail angesprochen werden (auf der Garmin-Website steht natürlich alles weitere, dazu gibt es Software-Updates und Downloads), man bekommt das, was man erwartet. Und ein wenig mehr. Als kurze Übersicht:
  • Distanz, Pace etc. 
  • O2max-Schätzung, Einschätzung der maximalen Sauerstoffaufnahme
  • Erholungsratgeber 
  • Lauf-Prognose 
  • Beschleunigungsmesser (berechnet die Distanz für Indoor-Trainings, ohne dass ein Laufsensor erforderlich ist) 
  • Persönliche Rekorde
  • Herzfrequenzmessgerät am Handgelenk (oder ANT+) 
  • Laufsensor und Radsensoren können über ANT+ hinzugefügt werden, nicht Bluetooth 
  • Auto Pause® (Stoppuhr wird automatisch angehalten z.B. an einer Ampel) 
  • Auto-Lap® (Automatischer Start einer neuen Runde)
  • Auto Scroll (Automatisches Anzeigen von Datenseiten während des Trainings) 
  • Erweitertes Training (eigene, zielorientierte Trainingseinheiten) 
  • Pace-Alarm
  • Zeit- oder Distanz-Alarm 
  • Intervalltraining 
  • Training Effect (Auswirkung einer Aktivität auf die aerobe Fitness)
  • Displayansichten individuell anpassbar   
Sensor am Handgelenk - Überraschend genau

Ein wenig genauer möchte ich hier auf den Herzfrequenzsensor am Handgelenk eingehen. Drei grün leuchtende LEDs auf der Unterseite des Gerätes messen den Blutstrom im Gewebe und zeigen dann die Herzfrequenz an. Das ist in meinen Augen das Killer-Feature dieser Uhr. Es gibt mittlerweile noch zwei andere Produkte von Garmin, die diese Technik verwenden. Auch das neue Vivosmart HR-Fitnessarmband. Will ich laufen gehen, ziehe ich mich um und starte die Uhr. Das Umschnallen (und Anfeuchten) eines Brustgurts fällt weg. man kann jederzeit starten. Wer viel reist, wird das zu schätzen wissen: ein kleines Stück Technik weniger, das man mitschleppen muss.

Bedenken hatte ich bezüglich der Genauigkeit der Sensoreinheit und aufgrund der Bauart. Damit die optisch erfolgende Messung mölichst wenigen Störungen ausgesetzt ist, sollte die Uhr nicht zu locker umgeschnallt sein. Zudem drückt die Erhebung (siehe Bild) der Sensorik ein wenig in den Arm. Daran gewöhnt man sich jedoch recht schnell. Trainiere ich nicht, ist die Uhr lockerer. Auch das sehr gute, flexible Armband, das auch noch sehr fein justierbar ist, leistet in diesem Zusammenhang einen guten Dienst.


Aber die Genauigkeit? Für mich auch absolut zufriedenstellend, sicher auch für alle anderen Amateure. Behaupte ich jetzt einmal. Anbei ein Screenshot. Auf dem Bild stehen die gemessenen Werte der Forerunner 235 denen gegenüber, die bei derselben EInheit mit einer Polar V800 mit Brustgurt ermittelt wurden. Sicher kann es mal sein, dass die Uhr verrutscht und die Messgenauigkeit kurzfristig nicht mehr perfekt ist. Aber wie gesagt: das ist eine Ausnahme.

Die GPS-Genauigkeit, auch so ein Wert, der von Hersteller zu Hersteller oder Modell zu Modell variiert, ist ebenfalls gut. Sehr gut: die kurze Zeit, die die 235 braucht, um einen Satelliten zu finden und zu verbinden. Neben GPS steht auch GLONASS zur Verfügung, oder eine Kombination aus beiden. Allerdings: Nutzt man das russische System GLONASS, hält der Akku weniger lang durch.
Stichwort Akku: Mit der anfangs ausgelieferten Software gab es wohl eine eher schlechte Performance, unter dem Betriebssystem 3.30 konnte ich das nicht bestätigen. Hält etwa eine Woche, jedoch bin ich auch nicht 24/7  mit eingeschaltetem optischen Sensor unterwegs. Dennoch zeichnet die Forerunner 235 viele Daten auf, sie ersetzt also auch einen Fitnesstracker.

Einsatz als Fitnesstracker 

Solchen Fitnesstrackern gegenüber bin ich eher skeptisch eingestellt. Muss ich alles vermessen lassen und aufzeichnen, was ich so mache? Eher nicht. Aber auch hier wieder: Die Forerunner ist erstaunlich oft dabei. Neben der Hardware ist sicher auch die Software dafür ein Grund: Die Connect-App (genutzt auf dem iPhone) hat sich wirklich gut entwickelt. Tolles Design und vor allem: Leicht zu bedienen. Auch das Interface im Browser ist eingängig und intuitiv.
  • Schrittzähler 
  • Automatisches Ziel (lernt, wie aktiv der Benutzer ist, und weist ein Tagesziel Schritte zu) 
  • Inaktivitätsleiste (wird auf dem Gerät nach einer Zeit der Inaktivität angezeigt; ein paar Minuten herumgehen, um die Anzeige zurückzusetzen) 
  • Schlafüberwachung (überwacht die gesamte Schlafzeit und Zeiten der Bewegung oder des ruhigen Schlafs)
Mich hat dann doch gewundert, dass ich anscheinend acht Stunden Schlaf brauche und in den frühen Abendstunden am besten schlafe. Kann man also noch etwas lernen. Der Sensor ermöglicht eine Herzfrequenzmessung rund um die Uhr. In Kombination mit anderen Garmin Produkten, z.B. der Garmin Index Waage können online weitere Körper- und Fitnessdaten ausgewertet werden.

Menüführung, Software und IQ-Apps

Während die App wirklich gelungen ist, ist die Menüführung der Uhr am Handgelenk ein wenig gewöhnungsbedürftig. Um in die globalen Einstellungen zu kommen, muss ich zuerst in die Sportarten gehen, beispielsweise. Aber man gewöhnt sich dran.

Die Handy-App habe ich bereits gelobt, ein paar Worten noch zur browserbasierten Oberfläche. Schön gestaltet, leider nicht stabil. Das Erstellen von Trainingseinheiten finde ich in der Polar-Variante (Flow) noch intuitiver und praktischer. Ärgerlich ist zudem, dass einige Trainingspläne, die man sich mühsam zusammengeklickt hatte, am Ende nicht gespeichert werden konnten.

Weitere Sportarten wünschenswert

Laufen, Laufen, Laufen. Ich weiß. Aber es wäre schön, wenn die Uhr einem in ihrem Menü noch die Möglichkeit bieten würde, gleich aus mehr als diesen vier Sportarten wählen zu können: Laufen/Indoor, Laufen, Radfahren und Sonstiges. Natürlich kann ich mit Sonstiges einen Datensatz erzeugen und ihn im Nachhinein als Snowboardfahren definieren. Ist jedoch nicht anwenderfreundlich.

Ebenfalls möglich: Einzelne Nutzer programmieren Apps, beispielsweise Hike. Die zeichnen dann eine Sportart auf, die nicht im Standardset enthalten ist.

Softwareseitig dürfte die Addition weiterer Sportartern in der Umsetzung für Garmin kein Problem sein. Ich denke, man möchte wahrscheinlich nicht in Konkurrenz zu den eigenen Multisportuhren gehen.


Fazit

Wie eingangs beschrieben: Die (oder der) Forerunner 235 ist eigentlich immer dabei. Als Laufuhr lässt sie keine Wünsche offen. Zudem kann sie zum Radfahren mit weiteren Garminsensoren verbunden werden. Die perfekte Uhr wäre sie, wenn sie nun noch andere Presets vorinstalliert hätte (beispielsweise Schwimmen) oder einem die Möglichkeit geben würde, andere Presets zu laden.

+
Design, Gewicht, Armband
GPS-Präzision und Geschwindigkeit
unkomplizierter Trainingsstart dank optischem HR-Sensor
Stabile Smartwatch-Funktionen
Schnelligkeit

-
keine "einfache" Stoppuhr und Timer-Funktion
keine weiteren Sportarten in der Uhr direkt hinzufügbar

1 Kommentar:

elektronischer datenraum hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.