Montag, 15. Februar 2016

Einfach Lust, Basketball zu spielen

Sonderpädagogik-Studierende der Uni Würzburg betreuten eine Basketball-AG an der Christophorus-Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Zum Semesterende brachten sie einige Profis der s.Oliver Baskets mit den Schülern zusammen.

Das Spiel läuft so ab, wie man ein Basketballspiel gewohnt ist: In der Turnhalle geht es rasant hin und her, die Zweikämpfe werden eng, aber fair geführt, der rote Ball saust oft durchs Netz oder springt vom Korb wieder zurück ins Feld. Dass hier Schüler mit geistiger Behinderung gemeinsam mit Profis von den s. Oliver Baskets gegen ihre Lehrer spielen, erschließt sich erst auf den zweiten Blick.




Möglich gemacht haben dieses Aufeinandertreffen von Profisportlern und Neuntklässlern der Würzburger Christophorus-Schule Sonderpädagogik-Studierende der Universität Würzburg: Philipp Steinberg, Elena Dietrich und Patrick Lensker. Dabei stand jedoch nicht nur dieses Event im Mittelpunkt. Während des gesamten Semesters betreuten die Studierenden eine Basketball-AG an der Schule, die ein Förderzentrum für geistige Entwicklung der Lebenshilfe ist.


Die Idee dazu entstand im Rahmen des Moduls "Profu" bei Christoph Ratz. Er arbeitet am Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV – Pädagogik bei geistiger Behinderung. "Profu steht für 'sonderpädagogische Projekte, Forschung und Unterstützung'. Es arbeitet mit dem hochschuldidaktischen Modell des 'Service Learning'", erklärt Ratz. Beim Service Learning wenden Studierende das Uni-Wissen dort an, wo es gebraucht wird, und bekommen dafür Leistungspunkte.

Profi Ruben Spoden: "Die Jungs sind richtig gut" 

"Der Ursprungsgedanke war, dass ich einfach Bock hatte, mit den Schülern Basketball zu spielen – unabhängig von der Behinderung", sagt Patrick Lensker. Er hat selbst mehr als zehn Jahre intensiv Basketball gespielt, ist gut in diesem Bereich vernetzt und pflegt die Kontakte zu Spielern der Baskets. Daher war es kein Problem, die Profis Maurice Stuckey, Ruben Spoden, Max Ugrai und Constantin Ebert für die Abschlussveranstaltung der Basketball-AG zu gewinnen. Neben den Christophorus-Basketballern kamen viele weitere Schüler einfach zum Zuschauen in die Halle.

Ruben Spoden bekam viele Bitten für Selfies und Autogramme – wie bei einem Liga-Spiel. "Wir machen solche Aktionen natürlich häufiger", sagt Spoden. Oft sind die Profis im Namen des Vereins in den Würzbuger Schulen unterwegs, dann jedoch meistens in Regelschulen. "Wir kommen sonst an Schulen, da ist das Niveau deutlich schlechter. Die Jungs sind richtig gut", sagt der mehr als zwei Meter große Angriffsspieler zu den Spielfähigkeiten der zehn Jungs aus der AG.

Als Team zusammengewachsen 

Man merke den Spielern an, dass sie viel geübt hätten. Der angehende Sonderpädagoge Patrick Lensker hat bereits einige Jahre Erfahrung als Trainer in dem Sport und konnte den Kindern einiges mitgeben. Auch wenn am Anfang laut Lensker der reine Spaß im Mittelpunkt gestanden hatte: Die Erfahrung, als Team zusammenzuwachsen, sei sehr wichtig für die Schüler. "Am Anfang haben sie sich teilweise noch übereinander lustig gemacht, wenn Fehler passierten", sagt Lensker. Davon ist beim Abschlussspielchen nichts mehr zu sehen. Beim gemeinsamen Auftritt mit den Profis gegen eine Auswahl basketballbegeisterter Lehrer hieß es nur: Team gegen Team.

Im Ergebnis kam dann ein 25:25-Unentschieden heraus. Vor dem Match konnten die Schüler Maurice und Kevin noch die Disziplinen Freiwurf und Dribbling gewinnen, bei denen die Profis als Zuspieler fungierten. Unter den Augen der restlichen Schüler der Jahrgangsstufe, die jede Aktion begeistert verfolgten. Ebenso wie die stellvertretende Schulleiterin Rosmarie Schubertrügmer: "Sicher kann ich mir vorstellen, dass wir erneut bei so einem Projekt mitmachen."

Patrick Lensker überlegt, ob er im Rahmen seiner Zulassungsarbeit das Basketball-Projekt weiterentwickelt. Aber er hat noch weitere Pläne: "Meine große Vision wäre es, eine richtige Mannschaft aufzubauen, die dann auch Spiele gegen Vertreter von anderen Schulen macht."

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