Freitag, 30. Juni 2017

"Schauen, dass ich entspannt bleibe" - Interview mit Jonas Folger vor dem Sachsenring 2017

Jonas Folger (23) fährt am Wochenende erstmals in der Königsklasse MotoGP auf dem Sachsenring

Du liegst nach acht von 18 WM-Läufen in deiner ersten Saison in der MotoGP im Gesamtklassement an zehnter Stelle. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Im Großen und Ganzen bin ich natürlich mit dem Saisonverlauf zufrieden. Wir schaffen es, immer weiter nach vorne zu kommen und wir lernen aus unseren Fehlern. Bis auf Assen ging es stetig bergauf. Ich denke, ich kann schon sagen, dass die erste Saisonhälfte positiv verlaufen ist.

Nun geht es zum Heim-GP auf den Sachsenring. Spürst du größeren Druck oder überwiegt die Freude?

Auf den Sachsenring freue ich mich in erster Linie. Druck kommt vielleicht von außen, aber ich muss das wie jedes andere Rennen sehen, auch wenn es speziell ist. Ich muss schauen, dass ich entspannt bleibe, ein gutes Rennen fahre. Natürlich freut man sich auf den Heim-GP und die Unterstützung der Fans: Ich bekomme doch einiges mit, was so rundherum passiert - und das genieße ich schon.

Hat sich deine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geändert, seit du in der MotoGP unterwegs bist?

Für mich ist mit der MotoGP ein Traum in Erfüllung gegangen. Dass man mehr im Fokus steht gehört einfach dazu, an den MotoGP-Zirkus gewöhnt man sich.

Die Umstellung von der Moto2 zu MotoGP (nun etwa 270 PS, über 300 Stundenkilometer) ist dir augenscheinlich problemlos gelungen. Wo sind die Unterschiede, die Fans nicht sehen?

Der krasseste Unterschied sind die Motoren. Man hat viel mehr Leistung zur Verfügung. Gleichzeitig gibt es eine aufwendige Elektronik, die unter anderem Traktion und Schräglage überwacht. Da musste ich erst einmal lernen, wie ich meinem Team eigentlich genau vermitteln kann, was ich für meinen Fahrstil brauche, was die Techniker ändern sollen.

Du kennst die Strecke in Hohenstein-Ernstthal gut. Im vergangenen Jahr hat dein jetziger Teamkamerad Johann Zarco beim Moto2-Rennen deinen Angriff in der letzten Kurve gekontert und sich den Sieg geschnappt. Was, wenn ihr auch in diesem Jahr gemeinsam auf Kurve 13 zufliegt?

Das hat einfach unfassbar viel Spaß gemacht. Wenn wir wieder in diese Situation kommen, dann werde ich es genau so erneut probieren. Vielleicht schauen, dass ich ein bisschen besser aus der Kurve heraus beschleunigen kann.

Was kannst du Sportfans in Deutschland sagen: Warum sollte man sich MotoGP anschauen, was ist das Besondere an diesem Sport?

Also ich als Motorsportverrückter muss die MotoGP natürlich empfehlen. Die Leistungsdichte ist enorm, es gibt viel mehr Überholmanöver im Rennen und mehr Zweikämpfe. Das ist einfach toll und wird nie langweilig. Ich werde das auch verfolgen, wenn ich nicht mehr fahre.

Was ist dein Ziel für den weiteren Saisonverlauf?

Es soll natürlich so weitergehen. Ich selbst muss noch viel lernen, möchte weniger Fehler machen. Aber wenn wir konstant in die Top-Acht fahren können, wäre das ein guter Schritt.
Info
Jonas Folger debütierte 2008 in der Motorrad-WM und gewann 2011 als 17-Jähriger sein erstes Rennen. Er ist der jüngste Deutsche, der ein Rennen in der WM gewinnen konnte. 2014 wechselte Folger in die Mittelklasse Moto2, wo er insgesamt drei Erfolge feiern konnte. Seit dieser Saison steuert der 23 Jahre alte Bayer eine Yamaha des Teams Tech3.

Keine Kommentare: